Arbeitsmarkt- und Wachstums-Index im März 2010: Wachstum tritt auf der Stelle – Arbeitsmarkt mit leichten Einbußen
Wie entwickeln sich die Wachstumsdynamik und die Lage am Arbeitsmarkt? Langzeitvergleiche auf einen Blick bieten zwei neu entwickelte Indices, die das Institut der deutschen Wirtschaft im Auftrag von Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) und WirtschaftsWoche entwickelt hat. Der Vergleich beginnt im September 2005, dem Monat des politischen Wechsels zum ersten Kabinett Merkel. Die Lage zu diesem Zeitpunkt haben die Wissenschaftler als 100 Prozent definiert.
Erläuterungen zur Lage im März 2010: Im Februar 2010 konnte sich nur der Wachstums-Index knapp auf dem Vormonatsniveau behaupten, während der Arbeitmarkt-Index eine leichte Eintrübung am Arbeitsmarkt signalisierte. Damit haben die Indikatoren im Vergleich zum Vormonat ihre Rollen getauscht: Im Januar hatte sich die Arbeitsmarktperformance noch leicht verbessert, während die Wachstumskurve deutlich nach unten zeigte.
Kurzarbeit erfüllt Brückenfunktion: Der Arbeitsmarkt kam im Februar gleich von zwei Seiten in Bedrängnis: Die Zahl der Arbeitslosen stieg saisonbereinigt um 7.000 Personen an und die Zahl der offenen Stellen ging um 4.000 zurück. Gleichwohl ist dies insgesamt ein erfreuliches Ergebnis, wenn man bedenkt, wie weit die Unternehmen noch von einer Normalauslastung ihrer Kapazitäten entfernt sind; zudem hat sich die Kurzarbeit seit ihrem Höhepunkt im Mai 2009 bis Ende des Jahres 2009 fast halbiert. Wie es scheint, führt der Weg aus der Kurzarbeit überwiegend nicht in die Arbeitslosigkeit. Bisher scheint die Kurzarbeit also die ihr zugedachte Brückenfunktion am Arbeitsmarkt zu bestätigen.
Industrieproduktion stützt Wachstum: Dass sich der Wachstums-Index auf dem Vormonatsniveau behaupten konnte verdankt er einzig der industriellen Produktionsentwicklung. Im Januar legte die Industrieproduktion real und saisonbereinigt um fast ein Prozent zu – zudem von einem höheren Niveau aus als noch vor Monatsfrist gedacht. Denn das Statistische Bundesamt hat den Dezember-Wert nachträglich merklich nach oben korrigiert. Da die Auftragseingänge der Industrie im Januar kräftig anzogen, spricht vieles dafür, dass die positive Produktionstendenz weiter anhält.
Die beiden anderen Indikatoren, die zusammen mit der Entwicklung der Industrieproduktion die Richtung des Wachstums-Index bestimmen, haben sich im Februar hingegen eingetrübt: Die Negativ-Tendenz an der Börse setzte sich im Februar abgeschwächt fort – der Dax-Performance-Index büßte 0,2 Prozent seines Wertes ein, nachdem er noch im Januar 5,9 Prozent verloren hatte. Bedenklich stimmt, dass die Unternehmen der gewerblichen Wirtschaft ihre wirtschaftliche Lage im Februar schlechter einschätzten als noch einen Monat zuvor: Die Beurteilung der Geschäftlage im Ifo-Konjunkturtest fiel im Vergleich zum Vormonat um 1,5 Prozent ungünstiger aus.
Für eine grundsätzlich positive Grundtendenz beim Wirtschaftswachstum in den nächsten Monaten spricht allerdings, dass die Unternehmen dem Ifo-Institut im Februar erneut optimistischere Geschäftserwartungen für die nächsten sechs Monate gemeldet haben.
Arbeitsmarkt- und Wachstumsindikatoren – Ende Februar 2010 im Vergleich zum Niveau vor der Krise
Hier vergleichen die IW-Wissenschaftler die aktuelle Lage bei der Arbeitslosenzahl, der Anzahl offener Stellen, der Industrieproduktion, den Einschätzungen der Unternehmen im ifo-Lageindex sowie der DAX-Performance mit dem Niveau des ersten Quartals 2008 – also der Zeit vor Einsetzen der weltweiten Wirtschafts- und Finanzkrise, dem die Forscher einen Wert von 100 Prozent zugeordnet haben. Sie haben die Daten auch hier in einen Punktwert überführt, um sie leichter vergleichbar zu machen.
Ein Blick auf die erreichten Niveaus bei den Einzelindikatoren zeigt, dass bei vier der fünf Einzelindikatoren noch viel von dem in der Krise verloren gegangenen Terrain aufzuholen ist. Der Abstand zum Vorkrisenniveau beläuft sich zwischen 15,8 Prozentpunkten bei den offenen Stellen und 18,3 Prozentpunkten bei der Geschäftslage (Ifo-Lage-Index). Die Arbeitslosigkeit liegt um 1,3 Prozent oberhalb des Vorkrisenniveaus. Nur die Produktion konnte im zurückliegenden Monat Boden gut machen. Von der heutigen Basis aus gerechnet benötigt man noch folgende prozentualen Zuwächse (bzw. Rückgänge im Fall der Arbeitslosigkeit), um das Vorkrisenniveau wieder zu erreichen:
| Arbeitslose: | minus 1,3 Prozent |
| Offene Stellen | plus 18,8 Prozent |
| Produktion | plus 20,1 Prozent |
| Ifo-Lage-Index | plus 22,5 Prozent |
| DAX-Performance | plus 19,9 Prozent |

