Experten-Votum im April 2010: Ökonomen zur Griechen-Krise und zur Stabilität des Euro
Aktuelles Experten-Votum im Rahmen des INSM-WiWo-Politik-Checks
Grundsätzliches zum Experten-Votum im Rahmen des INSM-WiWo-Deutschland-Checks
Nach harten Verhandlungen ist Ende März 2010 ein Rettungsplan für Griechenland geschnürt worden. Nicht zuletzt durch die Vorgänge in Griechenland ist die Sicherung der Stabilität des Euro breit diskutiert worden. In der zweiten Märzhälfte 2010 haben 91 Ökonomen – Professoren für Wirtschaftswissenschaften an deutschen Universitäten - im Rahmen einer Expertenbefragung die Stabilität des Euro und die hierfür notwendigen Maßnahmen zur langfristigen Sicherung bewertet.
Sie nahmen dabei zu folgenden Fragen Stellung:
Wie wird sich der Euro gegenüber dem US-Dollar bis zum Jahresende 2010 entwickeln?
Ist die Stabilität des Euro mittelfristig durch die hohe Verschuldung einiger Euroländer gefährdet?
Was sollte getan werden, um die Stabilität des Euro langfristig zu sichern?
Erläuterungen der Ergebnisse:
1. Die Experten erwarten kurzfristig keine drastischen Veränderungen beim Wechselkurs des Euro zum US-Dollar. Jeder dritte befragte Ökonom erwartet bis zum Jahresende einen stabilen Euro. Insgesamt gehen mehr Experten von einer leichten Abschwächung als von einer Stärkung des Euro gegenüber dem US-Dollar aus:
- Mehr als ein Drittel der Befragten kann sich eine leichte Abschwächung des Euro vorstellen.
- Nur ein Viertel der Ökonomen ist der Meinung, dass der Euro etwas an Stärke gewinnen wird.
- Sehr wenige Experten meinen, dass es deutliche Wechselkursschwankungen in beide Richtungen geben wird.

2. Uneins sind sich die Experten darüber, ob die hohen Schulden der Euroländer die Stabilität des Euro mittelfristig gefährden. Nur sieben Experten gaben an, dass die hohe Verschuldung einiger Euroländer keine Gefahr für die mittelfristige Stabilität des Euro darstellt. Gleichzeitig ist die Experten-meinung hier geteilt, ob die Eurostabilität hierdurch eher weniger oder stärker gefährdet ist:
- Jeder zweite befragte Experte sieht die mittelfristige Stabilität des Euro durch die hohe Verschuldung einiger Euroländer als weniger gefährdet an.
- Gleichzeitig gaben aber immerhin zwei Fünftel der Ökonomen an, dass eine deutliche Gefahr besteht.
- Nur sehr wenige Experten gehen von einer starken Gefahr für die Eurostabilität aus.
3. Und was soll geschehen, um die Stabilität des Euro langfristig zu sichern? Die Mehrheit der Experten spricht sich für eine konsequente Sanktionierung der Länder aus. Dies gilt sowohl bei einer Verletzung der Maastrichtkriterien als auch der Stabilitätsauflagen. Zudem fordern die Professoren konsequente Durchsetzung der No-bail-out-Klausel:
- Vier von fünf Experten sehen in der konsequenten Durchsetzung von Sanktionen bei einer Verletzung der Maastrichtkriterien eine wichtige stabilitätssichernde Maßnahme.
- Drei von vier der befragten Ökonomen erachten die Einführung einer Exit-Klausel für Länder, die nachhaltig die Stabilitätsauflagen verletzen, für sinnvoll.
- Danach folgt der Wunsch nach einer konsequenten Durchsetzung der No-bail-out-Klausel, d.h. kein Land darf für die Schulden eines anderen haften.
- Ende März 2010 wurde bereits auf Drängen der Bundesregierung beschlossen, dass im Falle einer drohenden Staatsinsolvenz Griechenlands der IWF im äußersten Notfall Hilfe bereitstellen kann. Dennoch sieht nur jeder zweite befragte Experte eine Lösung in einer stärkeren Einbindung des Internationalen Währungsfonds (IWF) bei Stabilisierungsmaßnahmen in Defizitländern.
- Nur etwa ein Viertel der Professoren spricht sich für die Einführung eines Europäischen Währungsfonds oder sogar für eine europäische Wirtschaftsregierung (10 Experten) aus.
Grundsätzliches zum IW-Experten-Votum im Rahmen des INSM-WiWo-Politik-Checks
Das IW-Expertenvotum befragt vier Mal im Jahr Ökonomen als Experten zu aktuellen politischen Vorgängen. Angeschrieben werden hierfür 250 Professoren für Wirtschaftswissenschaften an deutschen Universitäten. Konzipiert wird die Kurzbefragung von der IW Consult, einer Tochtergesellschaft des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln.
Diese Befragungsrunde konzentrierte sich mit drei kurzen Fragen auf die Einschätzung der Ökonomen zur Eurostabilität. Die Experten wurden zwischen dem 18. März und 31. März 2010 online befragt. Teilgenommen haben an der Befragung insgesamt 91 Experten.
Lesen Sie hier mehr über die Debatte in Politik und Wirtschaft zu den im aktuellen Deutschland-Check untersuchten Entscheidungen und Gesetzesvorhaben der Bundesregierung.

