Arbeitnehmer-Umfrage im Juni 2011
INSM-WiWo-Deutschland-Check: Zusammenfassung des Arbeitnehmervotums
Mit dem Gesundheitsfonds wurde am 1. Januar 2009 in der gesetzlichen Krankenversicherung ein einheitlicher Beitragssatz eingeführt. Dieser liegt aktuell bei 15,5 Prozent. Die Krankenkassen erhalten aus dem Gesundheitsfonds den gleichen Grundbetrag für jedes Krankenkassenmitglied. Hinzu kommen weitere Beträge zum Ausgleich unterschiedlicher Risikostrukturen der Versicherten.
Gleichzeitig stehen die Krankenkassen in einem Leistungs- und Preiswettbewerb: Wirtschaftet eine Krankenkasse gut, kann sie ihren Versicherten Beiträge zurückerstatten und sich so auf dem Markt profilieren. Reichen die Einnahmen aus dem Gesundheitsfonds nicht aus, muss die Krankenkasse Zusatzbeiträge von ihren Versicherten erheben. Die Mitglieder erhalten jedoch die Möglichkeit, zu einer Krankenkasse zu wechseln, die keine Zusatzbeiträge erhebt. Die ersten Krankenkassen erheben bereits Zusatzbeiträge, weitere haben sie bereits angekündigt. Gleichzeitig haben andere Krankenkassen Garantien ausgesprochen, dass in diesem Jahr sicherlich keine zusätzlichen Beiträge fällig werden. Kommt es also zum gewünschten Wettbewerb, indem die Versicherten ihre Krankenkassen wechseln?
Nur eine Minderheit (13 Prozent) der Arbeitnehmerschaft hat bisher wegen Zusatzbeiträgen einen Kassenwechsel vorgenommen. So lautet das Ergebnis des aktuellen IW-Arbeitnehmervotums, das Mitte Mai 2011 von der IW Consult konzipiert und durchgeführt wurde.
1.000 Arbeitnehmer haben Angaben zum Thema Zusatzbeiträge bei gesetzlichen Krankenkassen gemacht. Elf Prozent der Arbeitnehmer haben sich aufgrund von Zusatzbeiträgen für eine andere gesetzliche Kasse entschieden, weitere zwei Prozent haben den Schritt in das private Versicherungssystem gemacht. Allerdings haben Arbeitnehmer aktuell häufiger Wechselpläne, wenn sie in diesem Jahr bereits Zusatzbeiträge leisten beziehungsweise noch damit rechnen müssen.
Bei durchschnittlich 19 Euro liegt die Obergrenze für eine monatliche Zusatzzahlung, die gesetzlich versicherte Arbeitnehmer akzeptieren würden, bevor sie ihre aktuelle Krankenkasse wechseln würden. Besonders hoch ist hier die Zahlungsbereitschaft mit durchschnittlich 24 Euro bei Angestellten, die bereits monatliche Zusatzbeiträge entrichten bzw. noch in diesem Jahr damit rechnen müssen. Arbeitnehmer, die dieses Jahr garantiert keine Zusatzbeiträge zahlen sollen, sind nur bereit monatlich 14 Euro im Durchschnitt mehr zu zahlen, bevor sie sich für eine andere Kasse entscheiden.
INSM-WiWo-Deutschland-Check: die Meinung der Arbeitnehmer im Detail
Seit Einführung des Gesundheitsfonds am 1. Januar 2009 gilt für alle Mitglieder der gesetzlichen Krankenkassen der gleiche Beitragssatz. Mit der Einführung eines einheitlichen Beitragssatzes sollte der Wettbewerb unter den Kassen angekurbelt werden. Zuvor konnten die gesetzlichen Krankenkassen ihren Beitragssatz noch selbst festlegen. Kam es früher zu finanziellen Engpässen, so wurden die Krankenkassenbeiträge einfach erhöht, um einen höheren Finanzierungsbedarf im Notfall auffangen zu können. Eine Krankenkasse, die gut wirtschaftet, kann ihren Versicherten Geld zurückzahlen, das sie vorher über den Gesundheitsfonds erhalten hat. Eine Krankenkasse, die schlechter wirtschaftet, muss bei ihren Mitgliedern einen Zusatzbeitrag erheben. Seit 1. Januar 2011 gilt ein einheitlicher Beitragssatz von 15,5 Prozent. Der Arbeitgeberanteil wurde hierbei auf 7,3 Prozent festgeschrieben. Der Arbeitnehmeranteil beträgt aktuell 8,2 Prozent. Zudem dürfen die gesetzlichen Krankenkassen bei defizitärem Wirtschaften einkommensunabhängige Zusatzbeiträge bei den Arbeitnehmern jetzt frei und ohne Obergrenze festsetzen. Die Krankenkassen sind lediglich aufgefordert, die Höhe des Zusatzbeitrages pauschal und nicht prozentual festzusetzen.
Im Rahmen einer Kurzumfrage wurden Mitte Mai 2011 1.000 Arbeitnehmer um ihre Meinung zum Thema Zusatzbeiträge befragt.
Konkret gefragt wurde:
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Sind Sie gesetzlich oder privat krankenversichert?
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Zahlen Sie aktuell einen Zusatzbeitrag bei Ihrer gesetzlichen Krankenkasse?
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Haben Sie schon aufgrund von Zusatzbeiträgen die Krankenkasse gewechselt?
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Ab welchem monatlichen Zusatzbeitrag würden Sie wahrscheinlich die Krankenkasse wechseln?
Die Stichprobe der Arbeitnehmer- und –innen zwischen 16 und 65 Jahren ist repräsentativ nach Altersgruppen, Geschlecht und Schulbildung geschichtet. Nicht berücksichtigt wurden Arbeitnehmer ohne Schulbildung.
Fast alle befragten Arbeitnehmer (90 Prozent) sind gesetzlich krankenversichert und können somit um zusätzliche pauschale Monatsbeiträge von ihrer Krankenkasse gebeten werden. Lediglich zehn Prozent der Arbeitnehmer sind privat krankenversichert (siehe Tabelle im Anhang).
Je höher der Schulabschluss, desto häufiger sind die Arbeitnehmer privat krankenversichert. Angestellte mit Hochschulreife sind viermal so häufig (17 Prozent) bei einer privaten Assekuranz als ihre Kollegen mit Hauptschulabschluss (4 Prozent). Innerhalb der Arbeitnehmerschaft entscheiden sich Männer (13 Prozent) doppelt so häufig für das private Versicherungssystem als Frauen (6 Prozent). Außerdem sind ältere Arbeitnehmer (50 plus) häufiger privat krankenversichert (13 Prozent) als ihre jüngeren Kollegen.
Jeder Vierte wird garantiert keinen Zusatzbeitrag in 2011 zahlen
Einige gesetzliche Krankenkassen nutzen aktuell die Möglichkeit, ihre Mitglieder an sich zu binden, indem sie garantieren, in diesem Jahr keine Zusatzbeiträge einzuführen. Die Mehrheit der gesetzlich versicherten Arbeitnehmer wird laut IW-Arbeitnehmervotum in diesem Jahr keine Zusatzbeiträge an ihre Krankenkasse leisten müssen:
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Immerhin mehr als ein Viertel der gesetzlich versicherten Angestellten hat bereits eine Garantie von ihrer Krankenkasse erhalten, dass in diesem Jahr auf jeden Fall keine außerordentlichen Zahlungen fällig werden.
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Lediglich etwas mehr als jeder vierte gesetzlich versicherte Arbeitnehmer rechnet in diesem Jahr mit einem zusätzlichen monatlichen Obolus. Darunter geben 18 Prozent der gesetzlich versicherten Arbeitnehmerschaft an, dass sie bereits heute diese extra Zahlungen leisten. Die übrigen neun Prozent sind bereits von ihrer Krankenkasse über noch in 2011 anstehende Zusatzbeiträge informiert worden.
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Gleichzeitig geben beträchtliche zwei Fünftel der Arbeitnehmer an, dass ihre gesetzliche Krankenkasse bisher keine Zusatzbeiträge erhebt, dies in diesem Jahr auch nicht plant bzw. angekündigt hat.
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Innerhalb der verschiedenen Gruppen der gesetzlich versicherten Arbeitnehmerschaft zeigen sich Unterschiede bei den Antworten:
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Mehr als jeder fünfte jüngere Arbeitnehmer (16 bis 34 Jahre) begleicht schon einen monatlichen Zusatzbeitrag. In den älteren Arbeitnehmergruppen liegt der Anteil bei 16 bis 17 Prozent. Die jüngere Arbeitnehmerschaft (16 bis 34 Jahre) rechnet auch doppelt so häufig (ca. 12 Prozent) als ihre älteren Kollegen über 50 Jahre (6 Prozent) mit noch in diesem Jahr anstehenden Zusatzbeiträgen, da ihre Kassen dies bereits angekündigt haben.
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Gleichzeitig zeigt sich bei der jüngsten Gruppe (17 bis 24 Jahren), dass sie über dieses Thema bisher nicht wirklich informiert sind. Jeder sechste Arbeitnehmer zwischen 16 und 24 Jahren gibt hier „weiß nicht“ an. Nur ein Sechstel dieser jüngsten Arbeitnehmergruppe hat bisher eine Garantie seitens der Krankenkasse erhalten, dass es keinen solchen Zusatzabgaben geben wird. Das Wissen um eine solcher Garantie steigt mit zunehmenden Alter deutlich an und liegt bei den älteren Arbeitnehmern (50 plus) bei 31 Prozent.
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Während fast jeder fünfte männliche Angestellte bereits einen Zusatzbeitrag verrichtet, ist es etwa jede sechste weibliche Angestellte. Gleichzeitig geben Frauen doppelt so häufig (10 Prozent) bei dieser Frage „weiß nicht“ an als ihre männlichen Kollegen (5 Prozent).
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Arbeitnehmer mit Hauptschulabschluss führen bisher etwas seltener (16 Prozent) extra ab als ihre Kollegen mit höheren Schulabschlüssen (19 Prozent), haben einen monatlichen Zusatzbeitrag aber deutlich häufiger (14 Prozent) bereits von ihrer Krankversicherung noch für dieses Jahr verkündet bekommen als ihre höher qualifizierten Kollegen (7 Prozent). Dies liegt vor allem daran, dass Angestellte mit Hauptschulabschluss deutlich seltener (17 Prozent) als ihre besser qualifizierten Kollegen, darunter insbesondere diejenigen mit Hochschulreife, bereits informiert sind, dass es garantiert keine Sonderzahlungen geben wird.
Nur eine Minderheit hat bisher die Kasse wegen Zusatzbeiträgen gewechselt
Die Mehrheit der Arbeitnehmerschaft hat sich bisher noch nicht wegen Zusatzbeiträgen für eine andere Krankenversicherung entschieden. Allerdings haben Arbeitnehmer aktuell häufiger Wechselpläne, wenn sie in diesem Jahr bereits Zusatzbeiträge leisten bzw. noch damit rechnen müssen:
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Lediglich 13 Prozent haben bisher einen Kassenwechsel vorgenommen. Elf Prozent der Arbeitnehmer haben sich in diesem Zuge für eine andere gesetzliche Kasse entschieden, weitere zwei Prozent haben den Schritt in das private Versicherungssystem gemacht.
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Einen Kassenwechsel planen derzeit fünf Prozent der Arbeitnehmerschaft.
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Bei etwa sechs Prozent ist das Thema irrelevant, da sie schon länger privat versichert sind.
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Betrachtet man lediglich die gesetzlich versicherten Arbeitnehmer, dann zeigt sich ein sehr ähnliches Bild wie in der Gesamtarbeitnehmerschaft. Mit 14 Prozent haben gesetzlich versicherte Angestellte etwas häufiger zu einer anderen gesetzlichen Kasse gewechselt.
Lediglich jeder zehnte gesetzlich versicherte Arbeitnehmer, der bereits heute einen monatlichen außerordentlichen Obolus zahlen muss, hat in der Vergangenheit die GKV aufgrund von Zusatzbeiträgen gewechselt. Allerdings spielt in dieser Gruppe jeder fünfte Arbeitnehmer mit dem Gedanken dies zu tun. Bei Arbeitnehmer, die von ihrer gesetzlichen Kassen bereits über anstehende Zahlungen in 2011 benachrichtigt worden sind, hat jeder Fünfte bereits in der Vergangenheit die Kasse gewechselt und jeder Zehnte zieht dies aktuell in Erwägung.
Jeder fünfte Arbeitnehmer, der von seiner gesetzlichen Krankenversicherung eine Garantie erhalten hat, dass in diesem Jahr keine Zusatzzahlungen fällig werden, ist zu dieser Kasse aufgrund von Zusatzbeiträgen bei einer anderen gesetzlichen Krankenkasse gewechselt.
Arbeitnehmer, die bei einer gesetzlichen Krankenkasse sind, die keine Zusatzzahlungen in diesem Jahr planen bzw. dies sogar teilweise garantiert haben, erwägen nur sehr selten, ihre Versicherung zu wechseln.
Es zeigen sich teilweise Unterschiede für die verschiedenen Arbeitnehmergruppen:
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Arbeitnehmer wie Männer, ältere Arbeitnehmer (50 plus) und Arbeitnehmer mit Hochschulreife sind öfter privat versichert. Deswegen ist die Frage nach einem potenziellen Kassenwechsel häufiger irrelevant, da diese Personen bereits länger privat versichert sind.
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Arbeitnehmer mit Hochschulreife haben weniger oft (8 Prozent) als ihre geringer qualifizierten Kollegen (13 Prozent) zwischen verschiedenen gesetzlichen Versicherungen gewechselt.
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Ein Blick auf die Arbeitnehmerschaft nach ihrer Altersstruktur zeigt, dass insbesondere Arbeitnehmer zwischen 25 und 34 Jahren besonders häufig eine neue Versicherung in Betracht ziehen. 15 Prozent sind bereits zu einer anderen gesetzlichen Kasse und vier Prozent zu einer privaten Versicherung gegangen. Jeder zehnte Arbeitnehmer zwischen 16 und 24 Jahren gibt an, eine andere Versicherung in Betracht zu ziehen.
Monatlicher Zusatzbeitrag bis 19 Euro akzeptabel
Gesetzlich versicherte Arbeitnehmer erwägen erst ab einem monatlichen Zusatzbeitrag von durchschnittlich 19 Euro, ihre Krankenkasse zu wechseln. Bis zu diesem Betrag wollen die Arbeitnehmer ihrer jetzigen Krankenkasse treu bleiben:
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Besonders hoch ist hier die Zahlungsbereitschaft mit durchschnittlich 24 Euro bei Angestellten, die bereits monatliche Zusatzbeiträge entrichten bzw. noch in diesem Jahr damit rechnen müssen.
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Arbeitnehmer, die dieses Jahr garantiert keine Zusatzbeiträge zahlen sollen, sind nur bereit monatlich 14 Euro im Durchschnitt mehr zu zahlen, bevor sie sich für eine andere Kasse entscheiden.
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Dieses Ergebnis scheint in den verschiedenen Gruppen der Arbeitnehmerschaft relativ stabil (siehe Tabellenanhang). Vergleichsweise hoch ist die Zahlungsbereitschaft bei den Arbeitnehmern zwischen 25 und 34 Jahren mit durchschnittlich 23 Euro. Ältere Arbeitnehmer (50 bis 65 Jahre) würden sogar schon mit einer monatlichen Zusatzbelastung von durchschnittlich 16 Euro ihrer aktuellen gesetzlichen Kasse untreu werden.
INSM-WiWo-Deutschland-Check - das IW-Arbeitnehmervotum
Das IW-Arbeitnehmervotum befragt vier Mal im Jahr 1.000 Arbeitnehmer in Deutschland zu aktuellen politischen Vorgängen. Konzipiert wird die Kurzbefragung von der IW Consult, einer Tochtergesellschaft des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln. Die Online-Befragung wird in Zusammenarbeit mit goals international durchgeführt.
Die Arbeitnehmer wurden zwischen dem 17. Mai und 24. Mai 2011 online befragt. Die Stichprobe der Arbeitnehmer zwischen 16 und 65 Jahren ist repräsentativ für Deutschland nach Schulbildung, Geschlecht und Altersgruppen geschichtet. Nicht berücksichtigt wurden hier Arbeitnehmer ohne Schulbildung.
INSM-WiWo-Deutschland-Check: Tabellenanhang
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