Arbeitsmarkt- und Wachstumsindex im April 2011: Optimismus trotz wachsender Risiken


Die wirtschaftliche Entwicklung im März wurde überschattet von dem schweren Erdbeben, dem Tsunami und der dadurch ausgelösten Reaktorkatastrophe in Japan.

Die unmittelbaren Auswirkungen auf die deutsche Wirtschaft sind zwar gering, denn nur 1,4 Prozent unserer Exporte gingen 2010 nach Japan und nur 2,7 Prozent unserer Importe kamen von dort. Gleichwohl wird befürchtet, dass direkt oder indirekt auch Wertschöpfungsketten deutscher Unternehmen betroffen sein könnten. Denn obwohl Japans Anteil am Welthandel gemessen an der Wirtschaftskraft dieses Landes eher gering ist, hat Japan bei bestimmten Vorprodukten der Industrie hohe Weltmarktanteile, was bei Produktionsausfällen oder längeren Produktionsengpässen zu Störungen in der heimischen Industrieproduktion führen könnte. Dies gilt beispielsweise für bestimmte elektronische Bauelemente.

Nach Angaben des VDMA stammen mehr als ein Sechstel der Weltproduktion dieser Warengruppe aus japanischer Herstellung.  Speziell bei der Produktronic hat der japanische Maschinenbau sogar einen Weltmarktanteil von rund 40 Prozent.  

Auch die Entwicklungen in Nordafrika stellen ein Risikopotenzial für die globale Wirtschaftsentwicklung dar. Hier wird befürchtet, dass sich die gewachsenen Unsicherheiten vor allem in dauerhaft höheren Ölpreisen niederschlagen.

Trotz der gewachsenen Risiken sehen die Konjunkturprognostiker optimistisch in die Zukunft. In der gerade veröffentlichten Gemeinschaftsdiagnose wird für dieses Jahr in Deutschland ein Wachstum des realen Bruttoinlandsprodukts von beachtlichen 2,8 Prozent erwartet; auch in 2012 soll sich der Wachstumsprozess verlangsamt mit 2,0 Prozent fortsetzen.

Bei Consensus Forecasts vom März reicht die Prognosespanne für dieses Jahr von 2,0 bis stolze 3,7 Prozent, im Mittel gehen die meldenden Institute von 2,6 Prozent Wachstum in diesem und 1,9 Prozent im nächsten Jahr aus.

Wenn die Prognosen zutreffen, würde das saisonbereinigte Bruttoinlandsprodukt in Deutschland etwa zur Mitte des Jahres wieder den Höchststand von vor der Krise erreichen. Die Erholung wäre dann abgeschlossen und der Aufschwung könnte beginnen.

INSM-WiWo-Deutschland-Check: die Ergebnisse im Einzelnen


Der deutsche Arbeitsmarkt zeigte sich von den gewachsenen Risiken im März unbeeindruckt. Beide Teilindikatoren des Arbeitsmarktindex signalisieren eine weitere Verbesserung des Arbeitsmarktes:
  • Die Zahl der Arbeitslosen ist saisonbereinigt im März um 55.000 Personen gesunken und damit sogar leicht stärker noch als im Vormonat. Die absolute Zahl der Arbeitslosen nähert sich scheinbar unaufhaltsam der 3-Millionen-Markte (März: 3.005 Tsd. Arbeitslose).
  • Die Zahl der gemeldeten offenen Stellen legte im März weiter zu – sie stieg von 437.000 im Februar auf 446.000 im März. Der Zuwachs fiel mit einem Plus von 9.000 Stellen allerdings etwas gedämpfter aus als in den Vormonaten. Die zunehmenden Meldungen der Unternehmen über Probleme, geeignete Fachkräfte zu finden zeigen, dass der Arbeitsmarkt in bestimmten Segmenten bereits sehr angespannt ist.
  • Insgesamt kletterte der Arbeitsmarktindex im März etwas abgeschwächt gegenüber den beiden Monaten zuvor um 3,1 Punkte oder 1,9 Prozent.

Erstmals seit August 2010 verlor der Wachstumsindex im März 2011 wieder an Boden. Diesmal konnten nur zwei der drei Teilindikatoren einen positiven Beitrag leisten, was nicht reichte, um den Index insgesamt auf Erholungskurs zu halten:
  • Verantwortlich für den Rückgang des Wachstumsindex ist der DAX-Performance-Index, der vor allem auf die Ereignisse in Japan reagierte und im März 231 Punkte einbüßte, was einem Rückgang um 3,2 Prozent entspricht.
  • Der Ifo-Lage-Index konnte sich von bereits sehr hohem Niveau nochmals um einen Punkt oder 0,8 Prozent verbessern. Allerdings wird die Luft langsam dünner. Dies signalisieren die Erwartungen für die nächsten sechs Monate, die im März 2011 erstmals seit September letzten Jahres wieder leicht rückläufig waren.
  •  Die Industrieproduktion stieg laut jüngster Meldung des Statistischen Bundesamtes saisonbereinigt im Februar um beachtliche 1,4 Prozent an. Im März sollte sich der Anstieg fortgesetzt haben. Die gute Entwicklung der Auftragslage spricht dafür.
  • Insgesamt konnten die positiven Entwicklungen beim Lage-Indikator und bei der Produktion den starken Einbruch beim DAX nicht kompensieren. Insgesamt büßte der Wachstumsindex im März 1,2 Prozent ein.
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Ein Blick auf die fünf Einzelindikatoren zeigt: Nur noch die Industrieproduktion konnte den rezessiven Einbruch noch nicht ganz aufholen. Es fehlt noch ein Zuwachs von 3,9 Prozent, um wieder auf 100 und damit auf das Niveau des 1. Quartals 2008 zu kommen. Bei weiter positiver Entwicklung könnte diese Aufholung in zwei bis drei Monaten geschafft werden.
INSM-WiWo-Deutschland-Check April 2011