Arbeitsmarkt- und Wachstumsindex im Juli 2011: Optimismus bleibt vorherrschend
Nach dem fulminanten ersten Quartal mit einem saisonbereinigten Zuwachs der gesamtwirtschaftlichen Leistung von 1,5 Prozent zum Vorquartal wird zwar von den Konjunkturauguren eine Abkühlung für das zweite Quartal erwartet, aber die Grundtendenz bleibt aufwärts gerichtet. Mit jeder neuen Prognose werden die Voraussagen für 2011 nach oben korrigiert. Die aktuelle Spannweite der Prognosen reicht von 3,2 Prozent (DIW-Berlin) bis sehr optimistischen 4,2 Prozent (Kiel-Economics).
Das IW Köln erwartet einen Anstieg von 3 ½ Prozent. Das sind in der Tat sehr gute Perspektiven, die im Verlauf des Jahres auch noch für die eine oder andere positive Überraschung hinsichtlich der Einnahmenentwicklung bei Bund, Ländern und Gemeinden sorgen sollten. Die Konsolidierung der öffentlichen Haushalte kommt so schneller voran als ursprünglich geplant, was für sich genommen die Wachstumsperspektiven weiter verbessert. Denn gesunde öffentliche Haushalte sind ein Wachstumstreiber.
Nur darf die Politik nicht in alte Verhaltensmuster zurück fallen und die gewonnen haushaltspolitischen Spielräume für zusätzliche Staatsausgaben nutzen. Konsolidierung über die Ausgabenseite der öffentlichen Haushalte bleibt das Gebot der Stunde. Die verfassungsrechtliche Schuldengrenze verlangt für den Bund eine Begrenzung der strukturellen Neuverschuldung bis 2016 auf 0,35 Prozent des Bruttoinlandsprodukts; die Bundesländer dürfen ab 2020 in konjunkturellen Normaljahren überhaupt keine neuen Schulden mehr zur Finanzierung ihrer Haushalte aufnehmen.
Unter wachstumspolitischen Gesichtspunkten gilt darüber hinaus, dass sich ergebende Spielräume für steuerliche Entlastungen genutzt werden sollten. Moderate steuerliche Erleichterungen können, dies zeigen wissenschaftliche Studien, die ausgabenseitige Konsolidierung sogar befördern.
Die gute konjunkturelle Entwicklung spiegelt sich auch im Arbeitsmarktindex und im Wachstumsindex nieder. Beide Indizes tendierten im Juni 2011 nach oben.
INSM-WiWo-Deutschland-Check: die Ergebnisse im Einzelnen
Beide Teilindikatoren trugen im Juni zum Anstieg des Arbeitsmarktindex bei:
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Saisonbereinigt reduzierte sich die Zahl der Arbeitslosen weiter auf 2,967 Millionen Personen. Das waren 8.000 weniger als im Vormonat. Damit fiel der Rückgang der registrierten Arbeitslosigkeit genauso stark aus wie im Mai.
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Ein ganz ähnliches Bild zeigt sich auch bei offenen Stellen. Die Unternehmen meldeten der Arbeitsverwaltung im Juni 462.000 zu besetzende Stellen. Das war - wie schon im Vormonat – ein Plus von 2.000 Stellen.
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Insgesamt erhöhte sich der Arbeitsmarktindex im Juni um 0,4 Prozent. Der Anstieg verläuft somit nicht mehr so dynamisch wie lange Zeit in diesem Jahr. Allerdings darf man dabei nicht übersehen, dass es bei weiter sinkender Arbeitslosigkeit immer schwieriger wird, Rückgänge zu erzielen. Der zunehmende Engpass bei Fachkräften hat natürlich eine Bremswirkung auf den Arbeitsmarkt insgesamt. Denn können wichtige Schlüsselfunktionen im Betrieb nicht oder nur sehr verzögert besetzt werden, dann fehlen auch Job-Gelegenheiten für geringer qualifizierte Mitarbeiter.
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Der Arbeitsmarktindex bleibt damit im Juni im Vollbeschäftigungskorridor, nimmt allerdings Kurs auf den unteren Rand. Der Arbeitsmarkt ist somit kein Selbstläufer, die Vollbeschäftigung stellt sich nicht von alleine ein. Es gilt, weiterhin die Rahmenbedingungen für mehr Beschäftigung am Standort Deutschland zu verbessern.
Der Wachstumsindex hatte wie erwartet im Mai in der Tat nur eine Verschnaufpause eingelegt. Nach Positionsverlusten im Mai zeigte sich der Wachstumsindex im Juni erholt Zwei der drei Teilindizes drehten ins Plus und sorgten für einen Anstieg des Index:
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Der DAX-Performance-Index setzte seine Achterbahnfahrt fort und stieg im Verlaufe des Juni um 1,1 Prozent auf 7.376 Punkte. Der starke Einbruch im Vormonat konnte damit zwar nicht kompensiert werden, allerdings lieferte der Index einen deutlich positiven Beitrag zum Anstieg des Wachstumsindex.
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Der Ifo-Lage-Index war auch im Juni wieder für eine positive Überraschung gut. Die Unternehmen der gewerblichen Wirtschaft meldeten im Juni im Vergleich zum Vormonat eine nochmals verbesserte wirtschaftliche Lage. Angesichts des bereits sehr hohen Niveaus des Lage-Index und der Tatsache, dass die Erwartungen für die nächsten sechs Monate bereits seit Februar dieses Jahres den Rückwärtsgang eingelegt haben, war mit einem weiteren kräftigen Anstieg der Einschätzung der aktuellen Lage nicht unbedingt zu rechnen. Der obere Wendepunkt dürfte allerdings bald erreicht sein.
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Die Industrieproduktion stieg im Mai saisonbereinigt um 1,2 Prozent an. Die größten Impulse kamen dabei aus dem Industriegüterbereich, der um 2,5 Prozent gegenüber dem Vormonat expandierte. Auch die Vorleistungsgüterproduzenten konnten ihre Produktion im Mai um 0,7 Prozent erhöhen, während der Konsumgüterbereich auf dem Vormonatsniveau verharrte. Das Prognosemodell des IW Köln signalisiert für den Juni ein leichtes Minus bei der Industrieproduktion, so dass dieser Indikator den Aufwärtstrend des Wachstumsindex in diesem Monat etwas bremst.
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Insgesamt können wir für den Monat Juni einen Anstieg des Wachstumsindex von 0,8 Prozent feststellen. Damit gelingt es nicht ganz, den Rückgang im Mai von -1,1 Prozent auszugleichen.


