Arbeitsmarkt- und Wachstumsindex im Oktober 2010: Leinen los
Die Wirtschaftsentwicklung hat die Verschnaufpause im Sommermonat August genutzt, um neuen Schwung zu holen. Das Motto im September lautete eher optimistisch „Leinen los“. Der Arbeitsmarktindex wie auch der Wachstumsindex signalisieren eine ungebremste Aufbruchstimmung. Beide Indikatoren konnten gegenüber dem Vormonat erhebliche Positionsgewinne verzeichnen. Dies passt zu den guten gesamtwirtschaftlichen Prognosen, die derzeit von den Konjunkturexperten im In- und Ausland vorgelegt werden.Nach dem unerwartet starken ersten Halbjahr 2010 wurden die Prognosen auf breiter Front nach oben korrigiert. Schon jetzt ist klar: Im Jahresdurchschnitt 2010 wird das Bruttoinlandsprodukt in Deutschland um real 3 bis 3 ½ Prozent zulegen, so kräftig wie zuletzt im Jahr 2006. In 2011 soll es den Prognosen zufolge weiter aufwärts gehen, wenn auch mit etwas schwächerem Tempo. Das Institut der deutschen Wirtschaft Köln erwartet für 2010 und 2011 einen BIP-Anstieg von 3 ¼ bzw. gut 2 Prozent, wobei in beiden Jahren mehr als die Hälfte des Wachstums aus der expandierenden Inlandsnachfrage resultiert.
Deutschlands Wirtschaft lebt somit nicht allein vom Export, sondern die Erholung gewinnt an Breite. Wenn die tatsächliche wirtschaftliche Entwicklung die Prognosen bestätigt, dann wird Deutschland bereits in 2011 - und damit deutlich früher als noch zu Beginn dieses Jahres erwartet – beim Bruttoinlandsprodukt wieder das Vorkrisenniveau erreichen.
INSM-WiWo-Deutschland-Check September 2010: die Oktober-Ergebnisse im Einzelnen
Zur positiven Entwicklung des Arbeitsmarktindex trugen auch im August wieder beide Teilindikatoren bei:
-
Der Arbeitsmarkt legt keine Pause ein. Auch im September ging die Arbeitslosigkeit zurück. Bei der Bundesagentur für Arbeit waren in diesem Monat saison- und kalenderbereinigt nur noch 3,15 Millionen Personen als arbeitslos registriert, das waren 40.000 weniger als im Vormonat. Damit hat sich der Rückgang der Arbeitslosigkeit im August sogar beschleunigt fortgesetzt.
-
Auch die Nachfrage der Wirtschaft nach Arbeitskräften – gemessen an den offenen Stellen - hat sich im September erneut positiv entwickelt. Saisonbereinigt stieg sie um 4.000 Arbeitsangebote an. Dazu passt auch die Entwicklung bei der Kurzarbeit, die bis zuletzt in hohem Tempo zurückgegangen ist.
-
Ingesamt legte der Arbeitsmarktindex im September um 1,2 Prozent zu und damit sogar schneller als noch im Vormonat (+1 Prozent).
-
Die jüngsten Konjunkturprognosen sind, was den Arbeitsmarkt betrifft, weiter optimistisch. Die Erwerbstätigkeit soll auch in den nächsten Monaten zunehmen und die Arbeitslosigkeit sinken. Das Institut der deutschen Wirtschaft Köln erwartet für die dieses Jahr eine jahresdurchschnittliche Arbeitslosenzahl von 3,25 Millionen, die in 2011 auf nur noch knapp über 3 Millionen (genau 3,03 Millionen) sinken soll. Die Arbeitslosenquote würde dann nur noch 7 Prozent betragen.

Der Wachstumsindex machte im September einen kräftigen Sprung nach vorn. Er verbesserte sich gleich um 3 Prozent und konnte so den Rückgang im Vormonat (-1 Prozent) mehr als wettmachen. Zu diesem fulminanten Ergebnis begeitragen haben diesmal alle drei Einzelindikatoren:
-
Die Lageeinschätzung der Unternehmen der gewerblichen Wirtschaft hat sich im September von einem hohen Niveau aus nochmals verbessert (+1,4 Prozent). Wenn irgendwo der Buchstabe „V“ zur Beschreibung des Verlaufs gerechtfertigt ist, dann bei diesem Indikator, der nur noch wenig von seinem Vorkrisenniveau entfernt ist.
-
Nachdem die Industrieproduktion in den Monaten Juni und Juli auf der Stelle getreten war, änderte sich dies im August und dürfte sich im September fortgesetzt haben. Die stürmische Aufwärtsentwicklung bei den Auftragseingängen in den Vormonaten ist nun auch bei der Produktionsentwicklung angekommen.
-
Nach der eingetrübten Stimmung an den Finanzmärkten im August hellte sich im September auch hier das Bild auf. Der Optimismus kehrte zurück, der DAX-Performance-Index machte mit einem Plus von 5,1 Prozent einen kräftigen Satz nach vorn.
Arbeitsmarkt- und Wachstumsindikatoren – Ende August 2010 im Vergleich zum Niveau vor der Krise
Ein Blick auf die fünf Einzelindikatoren zeigt, dass die Zahl der Arbeitslosen nun schon um 6,8 Prozent unter dem Niveau von vor der Krise liegt. Am aktuellen Rand unterstützt wurde diese Entwicklung allerdings durch die demografische Entwicklung: Bereits in diesem Jahr gehen mehr Arbeitskräfte in den Ruhestand als neu in den Arbeitsmarkt eintreten. Das sorgt kurzfristig für Entlastung, weil die Arbeitslosigkeit schneller zurückgeht als die Beschäftigung steigt. Mittel- und langfristig wird diese Entwicklung allerdings zu einem Problem für die Volkswirtschaft, weil das Erwerbspersonenpotenzial schrumpft und damit das Wachstumspotenzial. Die anderen Einzelindikatoren konnten weiter aufholen: Der Ifo-Lage-Index ist nur noch ein Wimpernschlag vom Vorkrisenniveau entfernt und auch die offenen Stellen, die Produktion und der DAX-Performance-Index verkleinerten den Abstand zur 100-Prozent-Linie im September.
Von der heutigen Basis aus gerechnet benötigt man noch folgende prozentualen Zuwächse, um das Vorkrisenniveau wieder zu erreichen:
Offene Stellen: + 6,0 %
Produktion: + 8,9 %
Ifo-Lage-Index: + 0,2 %
DAX-Performance: + 7,7 %.

