Arbeitsmarkt- und Wachstumsindex im September 2011: Enttäuschung über das zweite Vierteljahr 2011
Nach einem fulminanten Start ins Konjunktur-Jahr 2011 im ersten Quartal, in dem das reale Bruttoinlandsprodukt saison- und kalenderbereinigt um stolze 1,3 Prozent gegenüber dem vierten Quartal 2010 zulegte, meldete das Statistische Bundesamt für das zweite Quartal nur noch einen minimalen Zuwachs von 0,1 Prozent. Die deutsche Volkswirtschaft hat somit von April bis Juni dieses Jahres quasi auf der Stelle getreten.
Von Aufwärts-Dynamik keine Spur mehr. Zwar stieg der Export durchaus kräftig mit einem Plus von 2,3 Prozent, aber noch stärker stiegen die Importe (+3,2 Prozent), so dass im Quartalvergleich im zweiten Quartal vom Außenbeitrag ein negativer Wachstumsbeitrag von 0,3 Prozentpunkten zu Buche schlug. Das Statistische Bundesamt verweist in seiner Pressemeldung darauf, dass zu diesem negativen Ergebnis der deutsche Atomausstieg spürbar beigetragen hat, denn Strom wurde kaum noch exportiert, musste aber verstärkt importiert werden.
Diese Dämpfung der Wachstumsdynamik im zweiten Quartal durch den Atomausstieg bestätigt sich bei einem Blick in die Produktionsstatistik des Energiesektors: Im April und Mai ging die Energieproduktion saisonbereinigt gegenüber dem jeweiligen Vormonat um 4,4 bzw. 4,8 Prozent zurück. Ohne den überhasteten Atomausstieg und das Abschalten einiger Kernkraftwerke im März sähe die BIP-Entwicklung des zweiten Quartals erheblich besser aus. Allerdings scheint die Exportdynamik generell erkennbar gebremst: Im Juli sind deutschen Exporte schon den zweiten Monat in Folge saison- und kalenderbereinigt gesunken (-1,8 Prozent im Juli).
Enttäuschend verlief im zweiten Quartal auch die Entwicklung des privaten Konsums, der gegenüber dem ersten Quartal um 0,7 Prozent zurückging. Eigentlich hätte man angesichts der sehr guten Arbeitsmarktzahlen und kräftig steigender Einkommen einen deutlich positiven Impuls erwarten können. Aber angesichts ungelöster Verschuldungsprobleme in Europa und der andauernden Diskussion um den Euro sind die privaten Haushalte verunsichert und halten ihr Portemonnaie lieber geschlossen, als ihr Geld in die Kaufhäuser zu tragen. Dass insgesamt noch ein mageres BIP-Plus von 0,1 Prozent zu verzeichnen war, liegt vor allem an der Investitionstätigkeit der Unternehmen; die Ausrüstungsinvestitionen legten gegenüber den Vorquartalen zwar etwas verhaltener, aber immer noch kräftig mit 1,7 Prozent gegenüber dem 1. Quartal zu.
Diese Entwicklung spiegelt sich im Wachstumsindex wider. Er ging im August nun schon den zweiten Monat in Folge zurück, und zwar diesmal kräftig. Erstaunlicherweise lässt sich der Arbeitsmarktindex davon bislang noch nicht beeindrucken, er setzte auch im August seinen Aufwärtstrend fort.
INSM-WiWo-Deutschland-Check September 2010: Die Ergebnisse im Einzelnen:
Nun schon seit März 2010 tragen beiden Subindikatoren Monat für Monat zum Anstieg des Arbeitsmarktindex bei:
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In den Urlaubsmonaten steigt die Arbeitslosigkeit üblicherweise an, so wie auch diesmal. Aber um Saison- und Kalendereffekte bereinigt ging die Zahl der Arbeitslosen im August um 8.000 Personen zurück und damit in etwa im selben Tempo wie in den letzten drei Monaten. Ermüdungserscheinungen sind trotz der Talfahrt der Börsen und zunehmender Konjunkturängste bislang nicht zu erkennen.
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Die Firmen stellen weiter ein. Die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung nimmt weiter zu und die Unternehmen melden weiterhin einen wachsenden Bedarf. So ist die Zahl der gemeldeten offenen Stellen im August um saisonale Effekte bereinigt weiter auf 469.000 gestiegen. Das Plus fiel mit 5.000 sogar mehr als doppelt so stark aus wie in den drei Monaten zuvor.
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Insgesamt stieg der Arbeitsmarktindex im August um 0,7 Prozent. Zuletzt war er im April dieses Jahres schneller angestiegen.
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Damit bleibt der Arbeitsmarktindex erfreulicherweise auch im August im Vollbeschäftigungszielkorridor.
Der Wachstumsindex befand sich im August im freien Fall. Alle drei Teilindikatoren haben ein negatives Vorzeichen. Der Absturz wurde allerdings maßgeblich von den Börsenturbulenzen im August geprägt:
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Die Börse kam im August nicht zur Ruhe. Kleinere Erholungsphasen wurden immer wieder schnell zunichte gemacht. Die Stimmung war von hoher Nervosität geprägt mit teils kräftigen Kursausschlägen. Im Verlaufe des August verlor der DAX-Performance-Index um 19,2 Prozent an Wert. Mit 5.784 Punkten lag der Index um 1.730 Punkte unter dem Höchststand vom April dieses Jahres.
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Kräftig nachgegeben hat im August auch der Ifo-Lage-Index; er verlor gleich 2,7 Prozent, so viel wie schon lange nicht mehr. Er ist zwar immer noch auf einem sehr hohen Niveau, so dass die gemeldet Geschäftslage kein Grund zu großer Besorgnis darstellt. Aber er signalisiert, dass die sich die Wachstumsperspektiven eintrüben. Das Ifo-Institut meldet eine Eintrübung der Geschäftserwartungen auf breiter Front, am stärksten im Großhandel und Einzelhandel.
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Die Industrieproduktion hat im Juli einen fulminanten Zwischenspurt hingelegt, der weithin für Überraschung sorgte. Um stolze 4,5 Prozent legte sie saisonbereinigt zu. Hier dürfte sich die gute Entwicklung der Auftragseingänge der zurückliegenden Monate widerspiegeln. Das IW-Prognose-Modell signalisiert, dass sich diese sehr positive Entwicklung im August nicht fortgesetzt, sondern wieder ein Stück korrigiert hat. Allerdings bleibt abzuwarten, ob die Produktionsdaten für den Juli Bestand haben oder doch noch vom Statistischen Bundesamt korrigiert werden.
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Insgesamt schießt der Wachstumsindex im August in den Keller. Er fällt mit 10,5 Prozent so stark wie nie in dem hier betrachteten Zeitraum. Der bisher stärkste Einbruch datierte mit jeweils 7,7 Prozent in den Monaten Januar und Oktober 2008. Was die weitere Entwicklung anlangt, hängt viel von der Politik ab: Sie muss endlich mit einem überzeugenden Konzept zur Lösung der Euro-Schuldenkrise die Verunsicherung aus dem Märkten herausnehmen und zur Stabilisierung der Erwartungen der Marktteilnehmer beitragen.
Ein Blick auf die fünf Einzelindikatoren zeigt Licht und Schatten. Durch den starken Anstieg der Industrieproduktion im Juli hat der Produktionsindex erstmals wieder das Vorkrisenniveau vom 1. Vierteljahr 2008 überschritten. Auch der zu erwartende leichte Rückgang im August ändert daran nichts. Der Produktionsindex bleibt knapp über der 100-Marke. Nach dem bisher eher mühsamen Heranrobben an die Benchmark war dies für Juli/August noch nicht zu erwarten. Die anderen Teilindikatoren hatten das Vorkrisenniveau ja schon bereits deutlich früher überschritten.
Getrübt wird das Bild allerdings durch den DAX-Performance-Index. Er sackte durch den starken Einbruch im August wieder deutlich unter das Vorkrisen-Niveau. So bleibt festzuhalten, dass es noch in keinem Monat im Beobachtungszeitraum gelungen ist, alle fünf Indikatoren jenseits des Vorkrisenniveaus zu platzieren.


