Arbeitsmarkt- und Wachstumsindex September 2010: Mit angezogener Handbremse


Nach der stürmischen Entwicklung im Juli, als sowohl der Arbeitmarkt- als auch der Wachstumsindex einen kräftigen Sprung nach oben gemacht hatten, hat die Wirtschaftsentwicklung im August eine Verschnaufpause eingelegt. Der Arbeitsmarktindex konnte zwar weiter zulegen, allerdings gab der Wachstumsindex etwas nach.

Wie die Analyse der Einzelindikatoren zeigt, sollte dies aber kein Grund zur Besorgnis sein. Ein Abbrechen der positiven Grundtendenz oder gar ein Abrutschen in eine erneute Rezession (Double Dip) ist keinesfalls zu befürchten.

Die überraschend positive Entwicklung der gesamtwirtschaftlichen Leistung – saisonbereinigt legte das reale Bruttoinlandsprodukt um stolze 2,2 Prozent zu – hat auf breiter Front zu Aufwärtskorrekturen bei den BIP-Prognosen für dieses Jahr geführt. Auch wenn das hohe  Entwicklungstempo des ersten Halbjahres im dritten und vierten Quartal 2010 sicher nicht gehalten werden kann, lässt sich doch jetzt schon feststellen, dass sich die deutsche Wirtschaft schneller aus der globalen Krise herausarbeiten konnte, als von den meisten Konjunkturanalysten nach dem tiefen Sturz im Winterhalbjahr 2008/2009 erwartet wurde.

INSM-WiWo-Deutschland-Check September 2010: die August-Ergebnisse im Einzelnen


Zur positiven Entwicklung des  Arbeitsmarktindex trugen auch im August wieder beide  Teilindikatoren bei:

  • Im August waren saison- und kalenderbereinigt noch 3,19 Millionen Personen arbeitslos. Das waren 17.000 Personen oder 0,5 Prozent weniger als noch im Juli. Das ist erfreulich, allerdings nimmt das Tempo, mit dem die Arbeitslosigkeit sinkt, von Monat zu Monat ab. Den stärksten Rückgang in diesem Jahr konnten wir mit 65.000 im April verzeichnen.

  • Die Zahl der saisonbereinigten offenen Stellen erhöhte sich im August um 4.000. Das sind auch deutlich weniger als noch im Juli (+13.000), allerdings ist bei diesem Indikator keine klare Tendenz erkennbar. Im Vergleich zum Vorjahr liegt die Zahl der gemeldeten offenen Stellen um deutliche 90.000 oder um rund ein Drittel höher.

  • Insgesamt legte der Arbeitsmarktindex im August  um 1,0 Prozentpunkte oder 0,8  Prozent zu, nach einem Plus von 2 Prozent im Vormonat.


Auch die Kurzarbeit ist weiter auf dem Rückmarsch.
Da gleichzeitig die Arbeitslosigkeit sinkt, spricht viel dafür, dass der Abbau der Kurzarbeit in erster Linie in Beschäftigung und nicht in Arbeitslosigkeit erfolgt. Das Kalkül, die Kurzarbeit als Brücke zu nutzen, um grundsätzlich knappe Fachkräfte zu halten, scheint somit aufzugehen.  
INSM-WiWo-Deutschland-Check September 2010

Der Wachstumsindex lag im August leicht im Minus. Im Vergleich zum Juli gab er um 1,3 Prozent nach. Allerdings waren es nicht die realwirtschaftlichen Indikatoren, die zu diesem leichten Rückgang geführt haben, sondern die Finanzmärkte:

  • Nach dem Rekordanstieg des Ifo-Lage-Index im Juli um stolze 5,5 Prozent, legte er im August nochmals um 1,3 Prozent zu. Er hat damit schon fast wieder das Vorkrisenniveau erreicht. Das Ifo-Institut sieht die deutsche Wirtschaft in einem „stabilen Sommerhoch“.

  • Die Industrieproduktion befindet sich seit dem sprunghaften Anstieg im Mai dieses Jahre mehr oder weniger in einer Seitwärtsbewegung mit nur leichten Abweichungen nach und oben. Der starke Anstieg der Auftragseingänge in der ersten Hälfte des Jahres 2010 hat sich noch nicht in vollem Umfang in der Industrieproduktion niedergeschlagen, was dafür spricht, dass für die Produktion noch Luft nach oben da sein sollte.

  • Dass der Wachstumsindex im August leicht negativ tendierte liegt an der Entwicklung am Finanzmarkt. Der DAX-Performance-Index verlor im August 223 Punkte oder beachtliche 3,6 Prozent. Er ist damit sogar wieder hinter das bereits im Mai dieses Jahres erreichte Niveau zurückgefallen, hält aber noch deutlichen Abstand zum Tiefstand dieses Jahres im Januar. Auch liegt der Index noch um 8,4  Prozent über dem entsprechenden Vergleichswert aus dem Vorjahr.


Arbeitsmarkt- und Wachstumsindikatoren – Ende September 2010 im Vergleich zum Niveau vor der Krise


Ein Blick auf die fünf Einzelindikatoren zeigt, dass die Arbeitslosigkeit mittlerweile um 5,4 Prozent unter dem Vorkrisenniveau des 1. Vierteljahres 2008 liegt.

Gegenüber Juli 2010 konnten sich auch die offenen Stellen und der Ifo-Lage-Index weiter an das Vorkrisenniveau herantasten. Beim Ifo-Lage-Index könnte dieses Niveau möglicherweise bereits im nächsten Monat erreicht werden.

Von der heutigen Basis aus gerechnet benötigt man noch folgende prozentualen Zuwächse, um das Vorkrisenniveau wieder zu erreichen:

Offene Stellen:  +7,1 %

Produktion: +11,0 %

Ifo-Lage-Index: +1,6 %

DAX-Performance:  +13,3 %.

INSM-WiWo-Deutschland-Check September 2010