Arbeitsmarkt- und Wachstumsindex im November 2010: Keine Ermüdungserscheinungen


Die positiven Tendenzen der wirtschaftlichen Entwicklung haben sich im Oktober erfreulicherweise fortgesetzt. Sowohl der Arbeitsmarktindex als auch der Wachstumsindex setzten ihre Aufwärtsbewegung fort. Beide Indices konnten das Anstiegstempo gegenüber dem schon sehr ordentlichen Vormonat sogar erhöhen. Wie schon im September verzeichnete der Wachstumsindex eine höhere Dynamik als der Arbeitsmarktindex.

Die Sensationsmeldung des Monats Oktober kam allerdings vom Arbeitsmarkt. Erstmals seit November 2008 unterschritt die Arbeitslosenzahl (nicht saison- und kalenderbereinigt) im Oktober wieder die 3-Millionen-Grenze. Plötzlich wird das Ziel der Vollbeschäftigung wieder für in nicht so ferner Zukunft erreichbar gehalten, was viele Jahre lang für unrealistisch bis naiv gehalten wurde. „Wir befinden uns auf der Schnellstraße zur Vollbeschäftigung … Der deutsche Arbeitsmarkt entwickelt sich damit vom Sorgenkind zum Musterschüler“, so kommentierte Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle die frohe Botschaft vom Arbeitsmarkt.

Ganz ohne Sorgenfalten blickt die Wirtschaft jedoch nicht auf den Arbeitsmarkt. Denn schon in dieser frühen Phase des Aufschwungs häufen sich die Klagen über fehlende Fachkräfte. Es besteht die zunehmende Gefahr, dass der Fachkräftemangel zu einer ernsthaften Wachstumsbremse werden könnte.


INSM-WiWo-Deutschland-Check November 2010: die Ergebnisse im Einzelnen


Zur positiven Entwicklung des  Arbeitsmarktindex trugen im Oktober beide  Teilindikatoren bei:

  • Die saison- und kalenderbereinigten Werte, die beim D-Check in den Arbeitsmarktindex eingehen, zeichnen allerdings kein ganz so euphorisches Bild wie die Ursprungsdaten. Die Zahl der Arbeitslosen ging danach im Oktober nur noch um 3.000 Personen (nach einem Minus von 37.000 im Vormonat) zurück und die Gesamtzahl lag mit 3,153 Millionen auch noch oberhalb der 3-Millionen-Grenze.

  • Relativ besser entwickelte sich die Zahl der offenen Stellen. Saisonbereinigt meldeten die Unternehmen 387.000 offene Stellen; das war ein Plus von 11.000 (+2,9 Prozent) gegenüber September.

  • Insgesamt stieg der Arbeitsmarktindex im Oktober um 1,4 Prozent, nach einem Anstieg von 1,1 Prozent im Vormonat.

INSM-WiWo-Deutschland-Check: Arbeitsmarkt- und Wachstums-Index


Der Wachstumsindex wurde im Oktober von drei Teilindikatoren getrieben:

  • Der stärkste Impuls ging diesmal von den Finanzmärkten aus. Der DAX-Perfomance-Indikator machte im Verlaufe des Oktober einen kräftigen Satz nach vorn und legte um stolze 372 Punkte oder 6 Prozent zu. Dies zeugt von ungetrübtem Optimismus an den Finanzmärkten. Mit dieser Entwicklung stellt der DAX-Perfomance-Indikator die beiden anderen Teilindikatoren diesmal klar in den Schatten.

  • Aber auch die Unternehmen der gewerblichen Wirtschaft meldeten dem Ifo-Institut im Oktober erneut eine Verbesserung der wirtschaftlichen Lage. Dies war angesichts des bereits erreichten hohen Niveaus nicht unbedingt zu erwarten. Damit hat der Ifo-Lage-Index das Vorkrisenniveau knapp hinter sich gelassen.

  • Die Industrieproduktion ist saisonbereinigt im September überraschend um 0,9 Prozent gesunken. Angesichts der sehr dynamischen Entwicklung der industriellen Auftragseingänge in den letzten Monaten ist aber davon auszugehen, dass dies nur eine vorübergehende Delle in einer tendenziell weiter aufwärts gerichteten Entwicklung ist. Im Oktober sollte bei der Industrieproduktion wieder ein Plus als Vorzeichen zu finden sein.


Arbeitsmarkt- und Wachstumsindikatoren im Vergleich zum Niveau vor der Krise


Ein Blick auf die fünf Einzelindikatoren zeigt: Neben der Arbeitslosenzahl hat mit dem Ifo-Lage-Index erfreulicherweise nun auch der zweite der fünf Indikatoren das Vorkrisenniveau hinter sich gelassen hat. Die Zahl der Arbeitslosen liegt mittlerweile um 6,4 Prozent oder 223.000 Personen unter der Arbeitslosenzahl vom 1. Quartal 2008. Der Ifo-Lage-Index hat diese Benchmark hingegen denkbar knapp mit nur 0,2 Prozent geschafft. Auch die offenen Stellen und der DAX-Perfomance-Index nähern sich scheinbar unaufhaltsam dem Vorkrisenniveau und liegen nur noch um 10.300 Stellen  bzw. 110 Punkte darunter. Die Zeichen stehen somit weiter auf Normalisierung. Nur die Industrieproduktion hat mit einem Rückstand von knapp 9 Prozentpunkten noch ein ordentliches Stück aufzuholen.

Von der heutigen Basis aus gerechnet benötigt man noch folgende prozentualen Zuwächse, um das Vorkrisenniveau wieder zu erreichen:

Offene Stellen:  + 2,7 %

Produktion: +  9,8 %

DAX-Performance:  +  1,7 %.

INSM-WiWo-Deutschland-Check November 2010