Unternehmensumfrage im August 2011: Manager-Meinungen zur Euro-Krise
Die Haushaltskrise mehrerer Mitgliedstaaten in der Eurozone sorgt dafür, dass die europäische Gemeinschaftswährung angeschlagen ist. Überschuldet sind vor allem Griechenland, aber auch andere Länder wie Irland, Portugal, Spanien und Italien. Die Europäische Union und der Internationale Währungsfonds haben einen Rettungsschirm gespannt, um den Staatsbankrott dieser Mitgliedsstaaten zu vermeiden.Der insgesamt für den Notfall bereit gehaltene Euro-Rettungsschirm umfasst 750 Milliarden Euro. Davon beteiligt sich der Internationale Währungsfonds mit rund einem Drittel der Kredite. Weitere 60 Milliarden können den Krisenstaaten aus dem EU-Haushalt bereitgestellt werden. Die übrigen 440 Milliarden Euro stehen bei der EFSF (European Financial Stability Facility) bereit. Im Krisenfall kann die EFSF Kredite von bis zu 440 Milliarden Euro aufnehmen, indem sie Anleihen begibt, für die ihre Mitgliedstaaten bis zu dem vereinbarten Betrag haften.
Die Euro-Krise stellt die Staatengemeinschaft vor eine harte Bewährungsprobe. Haben die finanzpolitischen Turbulenzen im Euro-Raum auch Auswirkungen auf die deutsche Wirtschaft? Sorgt die Währungskrise für eine Verlangsamung des Aufschwungs in Deutschland? Ist die Euro-Krise in den deutschen Unternehmen schon spürbar? Hierzu hat die IW Consult GmbH Ende Juli/Anfang August 2011 im Rahmen des IW-Unternehmervotums 753 Unternehmen aus den Bereichen Industrie und industrienahe Dienste befragt.
Gefragt wurden die Unternehmen:
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Wie wirkt sich die Euro-Krise bereits heute auf Ihr Unternehmen aus?
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Rechnen Sie damit, dass sich die Folgen der Euro-Krise bis zum Jahresende für Ihr Unternehmen verschärfen werden?
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Welche Rückwirkungen erwarten Sie durch die aktuelle Euro-Krise auf verschiedene Bereiche in Ihrem Unternehmen?
Kurz nach Beendigung der Umfrage hat sich die Situation auf den europäischen Finanzmärkten innerhalb weniger Tage drastisch zugespitzt. Die Schuldenkrise in Europa und den USA hat am Ende der ersten Augustwoche 2011 die Börsen weltweit abstürzen lassen. Die Europäische Zentralbank reagiert darauf, indem sie jetzt bereit ist, spanische und italienische Staatsanleihen zu kaufen. Die sieben führenden Industriestaaten (G7) haben sich gleichzeitig darauf geeinigt, für ein Funktionieren der Finanzmärkte zu sorgen und die Finanzstabilität und Wirtschaftswachstum zu stützen. Die Folgen dieser rasanten Entwicklungen für die deutsche Wirtschaft sind derzeit noch nicht absehbar.
Schuldenkrise betrifft vor allem Großunternehmen
Nur wenige Unternehmen der Industrie und industrienahen Dienstleistungen sind bislang von der Euro-Krise negativ betroffen. Zum Zeitpunkt der Befragung spürte die Mehrheit der Unternehmen die Schuldenkrise noch gar nicht. Es sind vor allem die großen Unternehmen (ab 50 Millionen Euro Umsatz), aber abgeschwächt auch die Industrieunternehmen, die häufiger als andere Unternehmen nachteilige Effekte bereits heute wahrnehmen:
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Bei vier von fünf Unternehmen macht sich die Währungskrise noch gar nicht bemerkbar.
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Ungünstig wirken sich die aktuellen Entwicklungen im Euro-Raum bei lediglich einem von acht Unternehmen (13 Prozent) aus. Darunter beklagen nur vier Prozent der Fälle sehr negative Folgen für das betriebliche Geschehen.
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(Eher) positive Wirkungen werden selten verzeichnet (4 Prozent). Kaum ein Unternehmen spricht von sehr positiven Wirkungen.
Die Betroffenheit von der Euro-Krise hängt deutlich von der Unternehmensgröße und der Branchenzugehörigkeit ab:
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Bei rund einem Drittel der großen Unternehmen (Mindestumsatz: 50 Millionen Euro) wirkt sich die Euro-Krise bereits heute negativ aus. Bei den mittelgroßen Unternehmen (1 bis 50 Millionen Euro Umsatz) verzeichnen dies bisher nur 18 Prozent, bei den kleinen Unternehmen (bis 1 Million Euro Umsatz) sind es sogar nur 12 Prozent.
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Bislang sind drei von fünf Großunternehmen von der aktuellen Währungskrise verschont geblieben. Bei den kleinen und mittelständischen Unternehmen geben mehr als drei Viertel der Unternehmen an, bisher gar nichts von der Euro-Krise zu bemerken.
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Mehr als ein Fünftel der Industrieunternehmen verspürt bereits negative Wirkungen der Euro-Krise. Die negativen Wirkungen sind jedoch in den meisten Fällen nicht stark (eher negativ: 16 Prozent). Gleichzeitig beklagt nur gut etwa jedes zehnte Dienstleistungsunternehmen nachteilige Folgen durch die Schuldenkrise. Während fünf Prozent der Dienstleister sogar „eher positive“ Auswirkungen verzeichnen, sind es nur drei Prozent in der Industrie.
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Sieben von zehn Industrieunternehmen bemerken den angeschlagenen Euro im Unternehmen bisher noch gar nicht. Bei den Dienstleistern sind es noch mehr als vier Fünftel der Unternehmen.
Unternehmen über eine mögliche Verschärfung der Krise
Die Euro-Krise hat für die Mehrheit der Unternehmen bislang keine Auswirkungen gehabt. Viele Unternehmen erwarten auch bis zum Jahresende nicht, dass sich die Folgen der Schuldenkrise für sie drastisch verschärfen werden:
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Gut zwei Fünftel der Unternehmen (43 Prozent) rechnen mit keiner Verschärfung der Folgen der Währungskrise.
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Mehr als ein Drittel der befragten Geschäftsführer gibt an, dass sich die aktuelle Situation im Euro-Raum für ihr Unternehmen zuspitzen könnte. Es sind jedoch nur sehr wenige, die von einer drastischen Verschlimmerung ausgehen.
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Eine Abmilderung der Situation halten die meisten für unrealistisch. Dieses Ergebnis überrascht nicht, da sich die Mehrheit der Unternehmen bisher noch gar nicht von der Währungskrise betroffen fühlt.
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Immerhin ein Fünftel der Unternehmen kann die Entwicklung der Euro-Krise und die möglichen Folgen für das Unternehmen noch nicht abschätzen und gibt „weiß nicht“ an.

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Große Unternehmen (58 Prozent) befürchten deutlich häufiger eine weitere Verschärfung der Krise bis zum Ende des Jahres als kleine (33 Prozent) und mittelgroße Unternehmen (49 Prozent). Nur wenige Unternehmen gehen von einer sehr starken Verschlechterung der Situation aus.
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Fast jedes zweite Industrieunternehmen rechnet mit einer Zuspitzung der Folgen der Währungskrise bis zum Jahresende. Bei den Dienstleistern sind es nur rund ein Drittel; darunter befürchten vier Prozent erhebliche Auswirkungen für das Unternehmen. Sieben Prozent der Unternehmen des Verarbeitenden Gewerbes gehen hier sogar von einer drastischen Verschärfung aus.
Euro-Krise erhöht Sorge um steigende Rohstoff- und Energiepreise
Die größte Befürchtung der Unternehmen sind steigende Rohstoff- und Energiepreise als ein Resultat der Währungskrise. Danach folgen Sorgen über steigende Finanzierungskosten sowie einer Kaufzurückhaltung bei den Kunden. Kaum Themen sind bisher die Gefahr einer verstärkten Verlagerung von Unternehmensbereichen ins Ausland oder der Abbau von Arbeitsplätzen als Ergebnis der Euro-Krise:
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Drei Viertel der Unternehmen gehen davon aus, dass die Rohstoff- und Energiepreise steigen werden. Darunter befürchten immerhin zwei Fünftel sogar erhebliche Preissteigerungen.
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Zwei von drei Unternehmen rechnen mit steigenden Finanzierungskosten. In mehr als drei von zehn Fällen werden sogar beträchtliche Kostenerhöhungen erwartet.
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Drei Fünftel der Unternehmen glauben, dass es zu einer Kaufzurückhaltung bei den Kunden kommen wird. Allerdings prognostiziert nur nur ein Fünftel der Unternehmen drastische Bestellungsrückgänge.
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Die aktuelle Euro-Krise wird bei mehr als der Hälfte der Unternehmen keine Verzögerungen bei eigenen Investitionsvorhaben verursachen. Jeweils rund ein Fünftel der Unternehmen erwarten hier erhebliche oder geringfügige Verzögerungen.
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Jedes zweite Unternehmen hat die Sorge, dass Importe teurer werden. Allerdings gehen nur 15 Prozent der Unternehmen von einer beträchtlichen Erhöhung aus. Gleichzeitig geben hier 15 Prozent an, dies nicht beurteilen zu können.
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Starke Umsatzrückgänge werden nur in einem von zehn Fällen angegeben. Weitere 29 Prozent rechnen mit leichten Umsatzrückgängen. Jeder zweite befragte Geschäftsführer glaubt, dass der Umsatz gar nicht von der Währungskrise betroffen sein wird.
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Nur eine Minderheit der Unternehmen sieht einen Abbau von Arbeitsplätzen und/oder eine Verlagerung von Unternehmensbereichen ins Ausland als mögliche Resultate der Schuldenkrise. Drei Viertel der Unternehmen erwarten gar keine Auswirkungen auf Arbeitsplätze oder Standortentscheidungen.
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Kaum ein Unternehmen sieht aktuell Möglichkeiten, in einem der Bereiche von der aktuellen Situation profitieren zu können.
Die Unternehmen wurden nach den erwarteten Rückwirkungen durch die Euro-Krise für acht unternehmensrelevante Bereiche befragt. Es sind insbesondere die Industrieunternehmen und die Großunternehmen (ab 50 Millionen Euro Umsatz), die am ehesten mögliche Konsequenzen für ihr Unternehmen fürchten:
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Die Sorge um steigende Rohstoff- und Energiepreisen haben insbesondere die Industrieunternehmen (87 Prozent), aber auch die großen Unternehmen (81 Prozent). Fast jedes zweite Industrieunternehmen geht sogar von erheblichen Preissteigerungen aus, bei den großen Unternehmen sind es knapp zwei von fünf.
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Auch beim Thema Finanzierungskosten sind es vor allem die Industrieunternehmen (72 Prozent), die hier mit höheren Kosten rechnen. Mehr als ein Drittel der verarbeitenden Unternehmen beklagen sogar erhebliche Auswirkungen, knapp 38 Prozent sehen geringfügige Steigerungen vorher. Insbesondere kleine Unternehmen erwarten vergleichsweise häufiger beträchtliche Kostensteigerungen (31 Prozent). Dies befürchten nur 21 Prozent der Großunternehmen.
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Sieben von zehn großen Unternehmen prognostizieren eine Kaufzurückhaltung bei den Kunden (Gesamtdurchschnitt: 62 Prozent). Allerdings erwartet nur eine Minderheit (15 Prozent) folgenschwere Konsequenzen.
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Keine großen Unterschiede im Antwortverhalten zeigen sich im Bereich „verzögerte eigene Investitionen“. Hier sind es insbesondere die großen Unternehmen (61 Prozent), die von gar keinen Auswirkungen sprechen.
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Jeweils drei Fünftel der Industrie- und Großunternehmen glauben, dass sich die Importe verteuern werden. Immerhin gibt dies hier sogar jedes vierte Industrieunternehmen als eine wesentliche Folge der Krise an. Bei diesem Bereich geben Großunternehmen deutlich seltener (acht Prozent) als der Gesamtdurchschnitt (15 Prozent) „weiß nicht“ an.
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Jedes zweite mittelständische und große Unternehmen rechnet mit rückläufigen Umsätzen. Nur sechs Prozent der Großunternehmen schätzen jedoch die Situation so ein, dass es bedeutsame Umsatzrückgänge sein werden. Immerhin sechs Prozent der Dienstleister können sich sogar einen Umsatzanstieg vorstellen. Dies glauben nur 0,3 Prozent der Industrieunternehmen.
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Die Furcht vor einem Abbau von Arbeitsplätzen ist im unternehmerischen Mittelstand (1 bis 50 Millionen Euro Umsatz) tendenziell im größten. Gut 27 Prozent der Unternehmen rechnen zumindest mit leichten Folgen für den Arbeitsmarkt (Antworten: "Ja, erheblich" und "Ja, aber kaum"). im Schnitt halten 16,7 Prozent der Betriebe Stellenabbau für denkbar.
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Es sind häufig Industrie- und Großunternehmen, die im Ausland tätig sind. Deswegen überrascht es nicht, dass diese Unternehmen am ehesten (14 Prozent) eine verstärkte Auslandsverlagerung durch die Währungskrise erwarten (Gesamtdurchschnitt: 11 Prozent).

INSM-WIWo-Deutschland-Check: das IW-Unternehmervotum
im Auftrag von INSM und WirtschaftsWoche befragt das IW vier Mal im Jahr Entscheider der deutschen Wirtschaft zu aktuellen politischen Vorgängen. Konzipiert wird die Kurzbefragung von der IW Consult GmbH, einer Tochtergesellschaft des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln.
Thema dieser Befragungsrunde war die Betroffenheit der Unternehmen durch die aktuelle Euro-Krise. Die Online-Umfrage fand in der Zeit vom 15. Juli bis zum 3. August statt.
Teilgenommen haben an der Befragung 753 Unternehmen. Angeschrieben wurden hierfür Unternehmen aus der Industrie sowie den industrienahen Dienstleistungen (Großhandel, Verkehr, Nachrichten, unternehmensnahe Dienstleistungen). Angaben für Gesamt beziehen sich auf eine Hochrechnung der Befragungsdaten anhand der Anzahl der Unternehmen im Unternehmensregister bezogen auf die Grundgesamtheit der erfassten Wirtschaftszweige.
