Arbeitsmarkt- und Wachstums-Index - Februar 2010: Wachstum legt Pause ein – Arbeitsmarkt überraschend stabil
Wie entwickeln Wachstumsdynamik und die Lage am Arbeitsmarkt? Langzeitvergleiche auf einen Blick bieten zwei neue Indices, die das Institut der deutschen Wirtschaft im Auftrag von Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) und WirtschaftsWoche entwickelt hat. Der Vergleich beginnt im September 2005, dem Monat des politischen Wechsels zum ersten Kabinett Merkel. Die Lage zu diesem Zeitpunkt haben die Wissenschaftler als 100 Prozent definiert.
Erläuterungen zur aktuellen Lage: Während im Dezember 2009 noch beide Zielgrößen der Wirtschaftspolitik Besserung signalisierten und sowohl der Arbeitsmarkt-Index als auch der Wachstums-Index relativ kräftig aufholten, konnte im Januar 2010 nur der Arbeitsmarkt-Index seinen Aufwärtstrend bestätigen. Allerdings ist ein Anstieg von nur 0,2 Prozent eher eine Seitwärtsbewegung als ein kräftiger Beitrag zur Zielerreichung. Der Wachstums-Index hingegen verlor im Januar 2010 mit -2,3 Prozent relativ kräftig an Boden.

Erwartet hätte man eher eine umgekehrte Entwicklung: Angesichts des starken Rückgangs des realen Bruttoinlandsprodukts im Jahr 2009 hätten mittlerweile deutlichere Bremsspuren am Arbeitsmarkt erkennbar sein müssen. Zwar ist die Zahl der Arbeitslosen im Januar saisonbereinigt um 0,2 Prozent angestiegen; dieser Anstieg wurde aber überkompensiert durch einen gleichzeitigen Anstieg der offenen Stellen um saisonbereinigt 0,6 Prozent.
Der Wachstums-Index, der sich aus drei Teilindikatoren zusammensetzt, wurde durch die schlechte Entwicklung des Finanzmarktes ins Minus gedrückt: Die Börse verlor im Laufe des Januar 5,9 Prozent. Die Unternehmen meldeten jedoch im Januar eine verbesserte Geschäftslage und auch die Industrieproduktion dürfte im Januar wieder leicht zunehmen, nachdem sie im Dezember überraschend kräftig zurückgegangen war. Somit spricht einiges dafür, dass das Wachstum nur eine Pause eingelegt hat und sich die Erholung tendenziell fortsetzen wird.
Arbeitsmarkt- und Wachstumsindikatoren – Ende Januar 2010 im Vergleich zum Niveau vor der Krise
Hier vergleichen die IW-Wissenschaftler die aktuelle Lage bei der Arbeitrslosenzahl, der Anzahl offener Stellen, der Industrieproduktion, den Einschätzungen der Unternehmen im ifo-Lageindex sowie der DAX-Performance mit dem Niveau des ersten Quartals 2008 - also der Zeit vor Einsetzen der weltweiten Wirtschafts- und Finanzkrise, dem die Forscher einen Wert von 100 Prozent zugeordnet haben. Sie haben die Daten auch hier in einen Punktwert überführt, um sie leichter vergleichbar zu machen.
In allen Bereichen zeigt sich dabei: Die deutsche Volkswirtschaft bewegt sich teilweise noch sehr deutlich unter dem Niveau der Zeit vor der Krise. Die Arbeitslosigkeit liegt leicht über dem Wert vor der Krise. Die Lücke zum Vorkrisenniveau klafft von 14,8 Prozent bei den offenen Stellen bis zur 18,1 Prozent bei der Produktion.

